Zentrum Familiärer Brust- und Eierstockkrebs der Charité (FBREK)

Bei bis zu 10 Prozent aller an Brust- oder Eierstockkrebs erkrankten Frauen beruht die Erkrankung auf angeborenen Veränderungen (Mutationen) bestimmter Gene. Dies betrifft vor allem die Gene BRCA1 und BRCA2. Als eines von 22 Zentren Familiärer Brust- und Eierstockkrebs in Deutschland bieten wir Spezialsprechstunden an. Wir beraten Frauen und Männer, die in Sorge sind, ein erhöhtes familiäres oder genetisches Risiko zu haben.

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Erblicher Brust- und Eierstockkrebs

Häufiges Auftreten von Eierstock- (Bauchfell-) und/oder Brustkrebs in einer Familie kann ein Hinweis auf eine angeborene genetische Veranlagung sein. Bei bis zu ca. 10 Prozent aller an Brustkrebs und/oder Eierstockkrebs erkrankten Frauen bezieht sich eine Mutation vor allem auf die sog. BRCA1 und BRCA2-Gene. Diese Genmutationen können unabhängig vom Geschlecht des Überträgers von einer Generation an die nächste Generation weitervererbt werden. Die Genmutationsträger*innen haben lebenslang erhöhte Risiken für bestimmte Krebserkrankungen.

Sowohl betroffene Frauen mit einer vermutlich angeborenen Mutation in den Reparaturgenen (z.B. BRCA1/2) als auch deren gesunde Angehörige können von einer genetischen Beratung profitieren. Im Rahmen eines detaillierten und individuell geführten Beratungsgespräches wird überprüft, inwieweit ein Risiko für eine familiär bedingte Erkrankung vorliegt, und ob eine genetische Analyse zu empfehlen ist. Im Rahmen eines interdisziplinären Dialogs von Gynäkologen und Humangenetikern  mit den Betroffenen/Ratsuchenden werden die Prozesse und die möglichen Konsequenzen einer genetischen Testung ausführlich diskutiert. So werden auch die Vor- und Nachteile von eventuell empfohlenen prophylaktischen ("vorsorglichen") Maßnahmen besprochen.

Was ist erblicher Brust- und Eierstockkrebs?

In vielen Familien gibt es mehrere Verwandte mit Krebserkrankungen. Da Brustkrebs die häufigste Krebserkrankung von Frauen ist, kommen häufig Brustkrebserkrankungen vor. Meistens handelt es sich in diesen Familien um zufällige Anhäufungen von Brustkrebs. Bei bis zu 10 Prozent aller an Brustkrebs Erkrankten beruht die Erkrankung jedoch auf angeborenen Veränderungen (Mutationen/pathogene Gen-varianten) bestimmter Gene.

Dies betrifft vor allem die seit 1993 bekannten Hochrisikogene BRCA1 und BRCA2. Seit einigen Jahren sind weitere moderate Risikogene bekannt, die ebenfalls für die Entstehung von Brust- und/oder Eierstockkrebs verantwortlich sein können. Veränderungen in diesen Genen (= Mutationen) können mit erhöhten Risiken für Brust- und Eierstockkrebs einhergehen. Zusätzlich können je nachdem welche Gen betroffen ist, Risiken für Krebserkrankungen in weiteren Organen (z.B. Bauchspeicheldrüsen, Darm, Haut) bestehen.

Genmutationen können von einer Generation an die nächste weitervererbt werden. Eine Vererbung erfolgt geschlechtsunabhängig.

Haben Sie ein erhöhtes Risiko?

Wir beraten Frauen und Männer, die in Sorge sind, ein durch eine eigene Erkrankung oder eine familiäre Belastung ein erhöhtes Risiko für Krebserkrankungen zu haben.

Das mit einer genetischen Veränderung einhergehende Risiko ist individuell sehr unterschiedlich. Sollte ein Risiko vorliegen, ist es genau das: ein Risiko. Es bedeutet nicht, dass die Betroffene zwangsläufig in Laufe ihres Lebens an Krebs erkrankt.

Wenn Sie genauer wissen wollen, ob Sie möglicherweise ein erhöhtes Risiko haben, sehen Sie sich bitte unsere Checkliste an. Wenn eine oder mehrere der dort aufgeführten Aussagen für Sie zutreffen, ist ein ausführliches Beratungsgespräch in unserer Spezialsprechstunde besonders sinnvoll.

Viele Krankenkassen haben einen Vertrag zur besonderen Versorgung von Ratsuchenden mit Belastung für familiäre Krebserkrankungen abgeschlossen. Mittlerweile sind 65 Krankenkassen diesem Vertrag beigetreten. Sollten Sie bei einer  nicht teilnehmenden Krankenkasse versichert sein, kontaktieren Sie uns, damit wir Ihnen ggf. bei der Erwirkung einer Kostenübernahmeerklärung Ihrer Krankenkasse behilflich sein können.

In unserem Zentrum arbeiten Gynäkologen, Humangenetiker und Radiologen sehr eng zusammen.

 

Kontaktaufnahme mit der Hotline und Beantwortung der Checkliste

Link: (Hotline: 030-450 527237, Mo–Fr von 9–13 Uhr oder brca-sprechstunde@charite.de)

Wenn Sie sich entschieden haben, eine Beratung hinsichtlich Ihres Krebsrisikos in Anspruch nehmen zu wollen, melden Sie sich bei unserer Hotline.

Eine unserer Mitarbeiterinnen wird mit Ihnen eine Reihe von Fragen durchgehen, um so ihr individuellen Risiko erstmalig abschätzen zu können.

Diese Fragen beinhalten neben Informationen zu Ihren eigenen Erkrankungen die sogenannten Einschlusskriterien. Treffen eine oder mehr der folgenden Aussagen für Sie zu, ist eine Beratung in unserer Spezialsprechstunde besonders sinnvoll.

  • zwei Frauen in Ihrer Familie haben Brustkrebs, mindestens eine ist vor dem 51. Lebensjahr erkrankt
  • drei Frauen in Ihrer Familie sind an Brustkrebs erkrankt, unabhängig vom Erkrankungsalter
  • eine Frau in Ihrer Familie ist vor dem 36. Lebensjahr erkrankt
  • eine Frau in Ihrer Familie ist beidseitig an Brustkrebs erkrankt, wobei die erste Erkrankung im Alter von 51 Jahren oder früher aufgetreten ist
  • eine Frau in Ihrer Familie ist an Brust- und Eierstockkrebs erkrankt
  • eine Frau in Ihrer Familie ist an Brustkrebs erkrankt und eine andere Frau in Ihrer Familie ist an Eierstockkrebs erkrankt
  • eine Frau in Ihrer Familie ist an Eierstockkrebs erkrankt und ein Mann in Ihrer Familie ist an Brustkrebs erkrankt
  • ein Mann und eine Frau in Ihrer Familie sind an Brustkrebs erkrankt
  • zwei oder mehr Frauen in Ihrer Familie sind an Eierstockkrebs erkrankt
  • eine Frau ist vor dem 50. Lebensjahr an triple-negativem Brustkrebs erkrankt
  • eine Frau ist vor dem 80. Lebensjahr an Eierstockkrebs erkrankt.

Ratsuchende, die mindestens eine der obigen Aussage mit "ja" beantwortet haben, können einen Termin für unsere Spezialsprechstunde vereinbaren.

Zur optimalen Vorbereitung dieses Termins benötigen wir weitere Angaben zur Ratsuchenden und ihrer Familie. Die Mitarbeiterin der Hotline wird Ihnen zeitnah alle notwendigen Formulare zukommen lassen. Alternativ können Sie diese hier (link) herzunterladen).

Bitte senden Sie dies ausgefüllten Unterlagen mindestens zwei Tage vor dem geplanten Sprechstundentermin an uns zurück (Mail – Link). Durch diese Informationen können wir abschätzen, ob eventuell ein erhöhtes Risiko für eine Krebserkrankung bestehen könnte. Beim Sprechstundentermin werden wir dieses eventuelle Risiko ausführlich mit Ihnen besprechen.

In einigen Fällen raten wir in der Folge zu einer genetischen Untersuchung, um Veränderungen an relevanten Genen feststellen zu können.

Die meisten Frauen empfinden aus verständlichen Gründen die Auseinandersetzung mit der Frage, ob sie ein erhöhtes Brustkrebsrisiko haben, als sehr belastend. Wir legen deshalb großen Wert auf psychologische Unterstützung und Beratung während der gesamten Zeit, in der wir unsere Patientinnen betreuen.

Studien und Kooperationen

Ansprechpartner

PD Dr. med. Dorothee Speiser

Komm. Ltd. Oberärztin der Klinik für Gynäkologie mit Brustzentrum CCM

Dr. med. Jacek Grabowski

Leiter der Ambulanten Spezialärztlichen Versorgung (ASV)

Prof. Dr. med. Elena Ioana Braicu

Professor für Translationale Gynäkologische Onkologie; Koordinatorin des TOC Labors (translationale Forschung)