Sprechstunde für familiären Brust- und Eierstockkrebs

Bei bis zu 10 Prozent aller an Brust- oder Eierstockskrebs erkrankten Frauen beruht die Erkrankung auf angeborenen Veränderungen (Mutationen) bestimmter Gene. Dies betrifft vor allem die Gene BRCA1 und BRCA2. Als eines von 17 Zentren in Deutschland bieten wir eine Spezialsprechstunde an. Wir beraten Frauen, die in Sorge sind, ein erhöhtes Risiko zu haben.

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Erblicher Brust- und Eierstockkrebs

Häufiges Auftreten von Eierstock- (Bauchfell-) und/oder Brustkrebs in einer Familie kann ein Hinweis auf eine angeborene genetische Veranlagung sein. Bei bis zu ca. 10 Prozent aller an Brustkrebs und/oder Eierstockkrebs erkrankten Frauen bezieht sich eine Mutation vor allem auf die sog. BRCA1 und BRCA2 Gene. Diese Genmutationen können von einer Generation an die nächste Generation weitervererbt werden. Die Genmutationsträger haben ein stark erhöhtes lebenslanges Risiko an Brustkrebs oder auch an Eierstockkrebs zu erkranken.

Sowohl Betroffene Frauen mit einer vermutlich angeborenen Mutation in den Reparaturgenen (z.B. BRCA1,2) als auch deren gesunde Angehörige können von einer genetischen Beratung profitieren. Im Rahmen eines detaillierten und individuell geführten Beratungsgespräches wird überprüft, inwieweit ein Risiko für eine familiär bedingte Erkrankung vorliegt, und ob eine genetische Testung per Blutabnahme zu empfehlen ist. Im Rahmen einer genetischen Sprechstunde werden im interdisziplinären Dialog (Gynäkologie, Humangenetik) mit den Betroffenen/Ratsuchenden die Prozesse und die möglichen Konsequenzen einer genetischen Testung ausführlich diskutiert. So werden auch die Vor- und Nachteile von prophylaktischen ("vorsorglichen") Maßnahmen besprochen.

Sollten die Betroffene/Ratsuchende eine genetische Testung wünschen, so kann diese in die Wege geleitet werden. Dieses Beratungsangebot der genetischen Sprechstunde ist vollkommen freiwillig und vertraulich. Sie können ein Beratungsgespräch in unserer Sprechstunde vereinbaren. Eine genetische Beratung ist nur nach vorheriger Terminabspräche möglich.

Was ist erblicher Brust- und Eierstockskrebs?

Viele Frauen haben in ihrer Familie Verwandte, die an Brustkrebs erkrankt sind. Meistens handelt es sich in diesen Familien um zufällige Anhäufungen von Brustkrebs. Bei bis zu 10 Prozent aller an Brustkrebs erkrankten Frauen beruht die Erkrankung jedoch auf angeborenen Veränderungen (Mutationen) bestimmter Gene.

Dies betrifft vor allem die seit 1993 bekannten Hochrisikogene BRCA1 und BRCA2. Seit etwa drei Jahren sind weitere moderate Risikogene bekannt, die ebenfalls für die Entstehung von Brust- und/oder Eierstockkrebs verantwortlich sein können. Diese Genmutationen können von einer Generation an die nächste weitervererbt werden. Personen, die ein verändertes Gen tragen, haben ein stark erhöhtes Risiko: Sie können schon vor dem 50. Lebensjahr an Brustkrebs oder auch an Eierstockkrebs erkranken.

Das Risiko unterscheidet sich aber sehr stark von Frau zu Frau. Sollte ein Risiko vorliegen, ist es genau das: ein Risiko. Es bedeutet nicht, dass die Betroffene zwangsläufig in Laufe ihres Lebens an Brustkrebs erkrankt.

Wenn Sie genauer wissen wollen, ob Sie möglicherweise ein erhöhtes Risiko haben, sehen Sie sich bitte unsere Checkliste an. Nur wenn eine oder mehrere der dort aufgeführten Aussagen für Sie zutreffen, ist ein ausführliches Beratungsgespräch in unserer Spezialsprechstunde sinnvoll.

Viele Krankenkassen haben einen Vertrag zur Besonderen Versorgung von Ratsuchenden mit Belastung für familiäre Krebserkrankungen abgeschlossen. Dazu gehören die Techniker Krankenkasse, die Barmer Ersatzkasse, die HKK, die HEK, die DAK und die KKH sowie die AOK Nordost, die BIG und die BKK VBU. Sollten Sie bei einer hier nicht genannten Krankenkasse versichert sein, kontaktieren Sie uns, damit wir Ihnen ggf. bei der Erwirkung einer Kostenübernahmeerklärung Ihrer Krankenkasse behilflich sein können.

Haben Sie ein erhöhtes Risiko?

Als eines von 17 Zentren in ganz Deutschland bieten wir eine Spezialsprechstunde "Familiärer Brustkrebs" an. Wir beraten Frauen, die in Sorge sind, ein erhöhtes Brustkrebsrisiko zu haben. Dabei arbeiten Gynäkologen, Radiologen und Humangenetiker sehr eng zusammen. Unsere Beratung umfasst zwei Stufen:

Erster Schritt: Checkliste durchgehen

Im ersten Schritt sollten Ratsuchende eine Checkliste von Aussagen durchgehen. Nur wenn eine oder mehrere der folgenden Aussagen zutreffen, ist ein ausführliches Beratungsgespräch (Hotline: 030 450 527237, Mo–Fr von 9–13 Uhr) sinnvoll.

  • zwei Frauen in Ihrer Familie haben Brustkrebs, mindestens eine ist vor dem 51. Lebensjahr erkrankt
  • drei Frauen in Ihrer Familie sind an Brustkrebs erkrankt, unabhängig vom Erkrankungsalter
  • eine Frau in Ihrer Familie ist vor dem 36. Lebensjahr erkrankt
  • eine Frau in Ihrer Familie ist beidseitig an Brustkrebs erkrankt, wobei die erste Erkrankung im Alter von 51 Jahren oder früher aufgetreten ist
  • eine Frau in Ihrer Familie ist an Brust- und Eierstockkrebs erkrankt
  • eine Frau in Ihrer Familie ist an Brustkrebs erkrankt und eine andere Frau in Ihrer Familie ist an Eierstockskrebs erkrankt
  • eine Frau in Ihrer Familie ist an Eierstockskrebs erkrankt und ein Mann in Ihrer Familie ist an Brustkrebs erkrankt
  • ein Mann und eine Frau in Ihrer Familie sind an Brustkrebs erkrankt
  • zwei oder mehr Frauen in Ihrer Familie sind an Eierstockkrebs erkrankt
  • eine Frau mit triple-negativem Mammakarzinom vor dem 50. Lebensjahr
  • eine Frau mit Eierstockkrebs vor dem 80. Lebensjahr

Zweiter Schritt: Spezialsprechstunde

Im zweiten Schritt beraten wir Frauen, die mindestens eine der obigen Aussage mit "ja" beantwortet haben, in unserer Spezialsprechstunde. Für dieses Gespräch benötigen wir weitere Angaben zur Ratsuchenden und ihrer Familie. Mit der Verarbeitung aller erhaltenen Informationen können wir abschätzen, ob eine Person zu den Frauen gehört, die ein erhöhtes Risiko haben, an Brustkrebs zu erkranken. In einigen Fällen raten wir dann zu einer genetischen Testung, um Mutationen an relevanten Genen feststellen zu können. Sollte das Brustkrebs-Risiko erhöht sein, bieten wir die Teilnahme am Intensivierten Früherkennungsprogramm an.

Die meisten Frauen empfinden aus verständlichen Gründen die Auseinandersetzung mit der Frage, ob sie ein erhöhtes Brustkrebsrisiko haben, als sehr belastend. Wir legen deshalb großen Wert auf psychologische Unterstützung und Beratung während der gesamten Zeit, in der wir unsere Patientinnen betreuen.

Ansprechpartner

Dr. med. Jacek Grabowski

Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe
Schwerpunkt: Gynäkologische Onkologie, medikamentöse Tumortherapie, Leiter der Genetiksprechstunde

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Prof. Dr. med. Elena Ioana Braicu

Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe
Schwerpunkt: Diagnostik und medikamentöse Therapie gynäkologischer Tumore sowie translationale Forschung, Leiterin des Tumorbank Ovarian Cancer (TOC)