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Informationen zu Endometriose

Endometriose ist eine gutartige, aber oft schmerzhafte und chronisch verlaufende Erkrankung von Frauen während der geschlechtsreifen Jahre, verursacht durch Gebärmutterschleimhaut-ähnliches Gewebe außerhalb der Gebärmutterhöhle.

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Erkrankung

Endometriose beschreibt das Vorkommen von Gebärmutterschleimhaut-ähnlichem Gewebe außerhalb der Gebärmutter oder innerhalb der Gebärmuttermuskulatur. Der Name „Endometriose“ leitet sich von „Endometrium“ ab, der lateinischen Bezeichnung für Gebärmutterschleimhaut.

An Endometriose erkranken etwa 2%-15% aller Frauen während ihrer geschlechtsreifen Lebensjahre und sie ist damit eine der häufigsten gynäkologischen Erkrankungen. Dennoch ist diese Erkrankung nur wenig bekannt und es vergehen in Deutschland noch immer 6-8 Jahre vom Auftreten erster Symptome bis Endometriose diagnostiziert wird.

Deutschland ist das erste Land, in dem sich zertifizierte Endometriosezentren etabliert haben, um Frauen, die an Endometriose erkrankt sind eine gute Betreuung durch Spezialisten zu sichern. Die Zentren sollen auch dazu beitragen, dass diese Erkrankung „ohne Lobby“ bekannter wird und mehr Beachtung findet.

Wir heißen Sie auf der Web-Seite des Endometriosezentrums Charité herzlich willkommen und hoffen, dass Sie hier hilfreiche Informationen finden. Haben Sie Fragen oder benötigen Sie unseren Ratschlag und Hilfe, heißen wir Sie gerne in einer der Sprechstunden des Endometriosezentrums Charité willkommen.

Einteilung und Häufigkeit

Am häufigsten finden sich Endometrioseherde im kleinen Becken auf dem Bauchfell, den Eileitern, Eierstöcken und den Gebärmutterbändern oder in der Gebärmuttermuskulatur. Seltener kommen Endometriose in den Nachbarorganen der Gebärmutter, also Blase oder Darm vor. Endometriose außerhalb des kleinen Beckens ist eine Ausnahme.

Die Einteilung und Klassifikation von Endometriose ist kompliziert, da die Ausdehnung und Verteilung der Endometriose sehr unterschiedlich sein kann. Die Endometriose wird nach ihrem Vorkommen in drei Formen unterteilt.

Endometriosis genitalis externa (60-95%)

Dies sind Endometrioseherde im kleinen Becken außerhalb der Gebärmutter, also auf dem Bauchfell, den Eileitern und Eierstöcken. Für diese Form der Endometriose gibt es verschiedene Stadieneinteilungen (s.u.).

Endometriosis genitalis interna (~40-60%)

Dies sind Endometrioseherde innerhalb der Gebärmuttermuskulatur.

Endometriosis extragenitalis (~5%)

Dies sind Endometrioseherde an Nachbarorganen der Gebärmutter, wie dem Darm oder der Blase. Auch Endometriose im Bauchnabel oder Narben, sowie die nur sehr selten vorkommende Endometriose am Zwerchfell oder der Lunge gehören zu dieser Form der Endometriose.

 

Endometriose ist eine der häufigsten gynäkologischen Erkrankungen, an der etwa 2-15% aller Frauen zwischen Pubertät und den Wechseljahren erkranken. Allein in Deutschland erkranken es jedes Jahr über 40.000 Frauen an Endometriose. Leiden Frauen unter starken Regelschmerzen diagnostiziert man in 45-60% Endometriose als Ursache, bei Frauen mit einem unerfüllten Kinderwunsch in 20-50%. Das Wachstum von Endometriose ist hormonabhängig und mit Eintritt der Wechseljahre enden somit fast immer die Beschwerden durch die Erkrankung.

Ursachen

Eine allumfassende Erklärung für die Entstehung der Endometriose gibt es nicht. Auch wenn man nicht erklären kann, warum einigen Frauen an Endometriose erkranken, gibt es mittlerweile gute Erklärungsmodelle, wie Endometrioseherde entstehen können. Diese Hypothesen und auch Risikofaktoren für Endometriose werden in diesem Kapitel beschrieben.

 

Eine allumfassende Erklärung für die Entstehung der Endometriose gibt es nicht. Es gibt gute Erklärungsmodelle, die uns sagen, wie es zur Ausbildung von Endometriose kommen kann, aber nur vage Hypothesen, warum einige Frauen daran erkranken und andere nicht. Transplantationstheorie: Nach dieser Theorie entsteht Endometriose aus Gebärmutterschleimhautzellen (=Endometriumzellen), die sich außerhalb der Gebärmutterhöhle ansiedeln. Endometriose im kleinen Becken entsteht hiernach aus Endometriumzellen im Regelblut, die bei fast jeder Blutung - auch gesunder Frauen - über die Eileiter in der Bauchhöhle gelangen, sich dann dort ansiedeln und wachsen. Endometriose in der Gebärmuttermuskulatur entsteht aus Endometriumzellen die von der Gebämutterhöhle in die Gebärmuttermuskulatur wandern. Auch eine Verbreitung über Lymphgefäße und Blutgefäße ist nachgewiesen worden und erklärt das Vorkommen von Endometriose in anderen Organen, z.B. der Lunge. Aber auch Operationen an der Gebärmutter können zu einer Verschleppung von Endometriumzellen und Ausbildung von Endometrioseherden z.B. in Operationsnarben führen. Endometriose ist nach dieser Theorie also Folge einer „Transplantation“ von Gebärmutterschleimhaut im eigenen Körper. Was aber die Endometriumzellen bei Frauen mit Endometriose letztendlich dazu befähigt zu wandern und sich an anderer Stelle anzusiedeln, dies erklärt die Theorie nicht. Die Klärung dieser Frage ist nach wie vor Gegenstand der Forschung. Metaplasietheorie Nach dieser Theorie entstehen Endometrioseherde aus Zellen, die während der embryonalen Entwicklung die Bauchhöhle auskleiden - dem sogenannten Zölomepithel und die Fähigkeit beibehalten, sich infolge besonderer Reize zu verändern. Die Fähigkeit zur Umwandlung von einer Zellart in eine andere nennt man „Metaplasie“. Bei Frauen mit Endometriose bilden sich durch die Wirkung weiblicher Hormone aus dem Zölomepithel dann Gebärmutterschleimhaut-ähnliche Zellen. Insbesondere die Ausbildung von Endometrioseherden des Darms oder im Nabelbereich wird mit der Metaplasie erklärt. Archimetratheorie und Tissue Injuy and Repair (TIAR) Nach dieser Theorie ist die Endometriose Folge einer Erkrankung der Gebärmutter mit einer gestörten Funktion der Archimetra oder auch Junktional-Zone: der Gebärmutterschleimhaut und angrenzender Gebärmuttermuskulatur. Infolge einer gesteigerte Peristaltik der Gebärmuttermuskulatur kommt es zu Micro-Verletzungen dieser Schicht. Im Rahmen der Aktivierung der Wundheilungsprozesse kommt es nach neueren Untersuchungen vor allem zu einer Aktivierung auch von Stammzellen. Wenn aktivierte Stammzellen dann ihre Nische verlassen können diese in die Muskelwand der Gebärmutter oder duch die Eileiter in den Bauchraum gelangen und sich dann zu Endometrioseläsionen bzw. zur Adenomyose entwickeln. Dieses Konzept würde auch die Tatsache erklären, dass Endometrioseläsionenen nicht nur aus Schleimhautähnlichem Gewebe sondern auch gebärmutter-ähnlicher Muskulatur bestehen und quasi Mini-Uteri bilden. die dann zu einer verstärkten Ablösung und Verschleppung von Endometriumzellen führt.

Risikofaktoren

Wichtigster Risikofaktor ist die Regelblutung, die Menstruation. Frauen die früh anfangen zu bluten und spät in die Wechseljahren gehen, haben ein höheres Risiko an Endometriose zu erkranken. Gleiches gilt für Frauen mit kurzen Blutungsabständen oder langer Blutungsdauer. Mit jeder ausgetragenen Schwangerschaft verringert sich wiederum das Risiko.

Da bei der heutigen Lebensplanung den Zeitpunkt einer gewünschten Schwangerschaft oft erst auf das Alter um die 30 fällt, haben Frauen heutzutage viel häufigere Blutungen als noch in den 70er Jahren bzw. im Mittelalter. Zum Teil bluten Frauen bis zu 400 mal in ihrem Leben. Es ist aber an sich nicht wirklich physiologisch, dass die Gebärmutter erst 20 Jahre „arbeitet“ bevor dann eine Schwangerschaft eintritt. Leider kommt es infolge der jahrelangen Kontraktionen zu Veränderungen, die dann in Adenomyose und Endometriose übergehen können.

 

Vor allem gilt aber eine primäre Dysmenorrhoe (also wenn die Regelblutung von Anfang an extrem schmerzhaft ist, also wichtigster Riskofaktor. Retrospektive Analysen haben gezeigt, dass gerade Frauen mit früh auftretenden, stärksten Schmerzen ein höheres Risiko habe später auch eine Endometriose zu entwickeln. &0 % aller an Endometriose erkrankten Frauen entwickeln die Beschwerden bereits vor dem 20. Lebensjahr.

Es gibt auch eine familiäre Häufung: ist die Mutter oder Schwester an Endometriose erkrankt, steigt das eigene Risiko um das 6 - 9fache an.

Eine häufig gestellte Frage ist, ob Endometriose eine Zivilisationserkrankung ist. Eine Beteiligung von sogenannten Umweltöstrogenen (sogenannte endokrine Dysruptoren) ist nicht auszuschließen. Ein eindrückliches Beispiel ist die deutlich häufigere Erkrankungsrate an Endometriose von Frauen, die infolge des Seveso-Unglücks hohen Dioxinkonzentrationen ausgesetzt waren.

Anzeichen und Symptome

Endometriose ist ein „Chamäleon“ unter den gynäkologischen Erkrankungen: Endometriose kann zu mitunter unerträglichen Schmerzen führen, einige Patientinnen sind aber auch schmerzfrei, ähnliches gilt für den unerfüllten Kinderwunsch, von dem einige aber nicht alle Frauen mit Endometriose betroffen sind. Welche Beschwerden auftreten können und bei welchen Beschwerden man an Endometriose denken sollte, wird hier beschrieben. 

 

Typische Beschwerden infolge von Endometriose sind Schmerzen und Unfruchtbarkeit. Organschäden infolge von Endometriose kommen vor, sind aber insgesamt selten.

 

Schmerzen

Leitsymptom der Endometriose sind krampfartige, oft unerträgliche Regelschmerzen (Dysmenorrhoe), sowie chronische zyklische und unregelmäßige Unterbauch- oder Rückenschmerzen auch an blutungsfreien Tagen. Auch Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, sowie Schmerzen beim Wasserlassen oder Stuhlgang können durch Endometriose verursacht sein. Oft verschlimmern sich alle genannten Schmerzen kurz vor oder während der Regel.

Die Schmerzstärke und auch die Kombination der o.g. Schmerzsymptome können sehr unterschiedlich sein und Schmerzen können als Symptom sogar manchmal ganz fehlen. Dies macht Endometriose zu einem „Chamäleon“ unter den gynäkologischen Erkrankungen und erklärt zum Teil, warum Endometriose oft so spät erkannt wird.

Leider werden zyklusabhängige Schmerzen weiterhin zu oft „bagatellisiert“. Wenn aber übliche Schmerzmedikamente zur Behandlung der Regelschmerzen oder Unterbauchschmerzen nicht helfen, sollte unbedingt an Endometriose als Ursache gedacht werden. Auch wenn sogenannte vegetative Begleitsymptome wie Übelkeit und Erbrechen oder Durchfall mit auftreten ist dies ein Hinweis.

 

Unerfüllter Kinderwunsch

Etwa 30-50% der Frauen mit Endometriose leiden unter unerfülltem Kinderwunsch. Endometriose kann zu Verklebungen der Eileiter führen. Auch die Überaktivität der Gebärmuttermuskulatur, die bei Frauen mit Endometriose zu beobachten ist, kann den Spermien- oder Eitransport stören. Endometriosezysten am Eierstock können wiederum die Eierstockfunktion einschränken. Auch auch Endometrioseherde im kleinen Becken, die keinen Kontakt zu den Eileitern oder Eierstöcken haben, können die Fruchtbarkeit reduzieren; eine Erklärung hat man dafür nicht.

Bei unerfülltem Kinderwunsch kann die Entfernung von Endometrioseherden die Fruchtbarkeit etwas verbessert werden. Bei einigen Frauen erfordert die Unfruchtbarkeit infolge der Endometriose aber eine Kinderwunschbehandlung.

 

Organschäden

Organschäden infolge von Endometriose, z.B. durch die Verlegung des Harnleiters oder Darmverengungen kommen vor, sind aber sehr selten. Diese Komplikationen bilden aber einen Schwerpunkt im Betreuungsangebot des Endometrioszentrums Charité.

Diagnose

Am Endometriosezentrum Charité stehen alle modernen diagnostischen Verfahren zur Verfügung, um eine Neuerkrankung oder ein Wiederauftreten von Endometriose zu diagnostizieren. An erster Stelle steht für uns aber das Gespräch mit der Patientin, die uns meistens die wichtigsten Informationen für die Diagnose mitbringt.

Der Verdacht, dass eine Endometriose vorliegen könnte, ergibt sich häufig schon allein durch das Patientengespräch mit Schilderung der Krankengeschichten, des Charakters der Schmerzen oder Dauer eines unerfüllten Kinderwunsches.

Mit der gynäkologischen Untersuchung lassen sich nur größere Endometrioseherde oder Endometriosezysten der Eierstöcke tasten. Die meisten Endometrioseherde lassen sich durch eine gynäkologische Untersuchung aber von außen nicht erkennen, und der Untersuchungsbefund ist dann fälschlicherweise „unauffällig“.

Mit der Ultraschalluntersuchung kann man insbesondere Endometriosezysten am Eierstock, Endometriose in der Gebärmuttermuskulatur (Adenomyose), Endometriose zwischen Gebärmutter und Darm oder der Blasenwand erkennen. Auch die Beweglichkeit der Organe zueinander ist eine hilfreiche Information um das mögliche Ausmaß einer Endometriose zu beurteilen. Letztlich können so ausgeprägte Befund gut dargestellt werden. Die Bauchfellherde lassen sich aber nicht sonographisch darstellen, daher bleibt hier dann eine gewisse Unsicherheit. Eine Darmendomeriose lässt sich auch gut durch eine Ultraschalluntersuchung des Darmes darstellen. Andere bildgebende Verfahren, wie CT, MRT sind nur selten in Ausnahmefällen sinnvoll.

Bisher ist es nicht möglich, Endometriose durch Blutuntersuchungen zur diagnostizieren.

 

Die sichere Diagnose einer Endometriose in der Bauchhöhle kann nur durch eine Bauchspiegelung (Laparoskopie) erfolgen. Bei einer Bauchspiegelung werden die Organe der Bauchhöhle mit Hilfe einer Kamera betrachtete, die über den Nabel in den Bauchraum gebracht wird. Die Bauchspiegelung ermöglicht neben der Diagnose auch die Stadieneinteilung der Endometriose, Entfernung der Herde und weiterer Sicherung der Diagnose durch Untersuchung von Gewebeproben unter dem Mikroskop durch Pathologen.

 

In seltenen Fällen sind auch größere Operationen notwendig, um die Nieren-, Blasen- und Darmfunktion zu erhalten. Hier ist dann die Zusammenarbeit mit anderen Fachrichtungen, wie Chirurgie und Urologie notwendig.

 

Die Differentialdiagnose von Unterbauchschmerzen ist auch für Spezialisten oft nicht einfach. Daher arbeitet das Endometriosezentrum Charité eng mit weiteren Kliniken zusammen, wie der Gastroenterologie, Urologie, Schmerzzentrum und der psychosomatischen Abteilung. Im Endometriosezentrum Charité wurde ein spezieller „Schmerzfragebogen für Endometriosepatientinnen“ entwickelt, der uns zur Diagnosesicherung und Beurteilung des Krankheitsverlaufs wertvolle Informationen liefert.

Therapie

In der Endometriosetherapie geht es vor allem um die Verbesserung der Lebensqualität, durch die Behandlung von Schmerzen oder ungewollter Kinderlosigkeit. Selten kann Endometriose anderer Bauchorgane, wie den Darm, die Blase oder Harnleiter befallen und zu Organschäden führen. Diese seltenen Komplikationen sind ein besonderer Behandlungsschwerpunkt unseres Endometriosezentrums.

 

Eine Heilung von Endometriose ist bisher nicht möglich. Die Therapieziele konzentrieren sich daher auf die Verbesserung der Lebensqualität, vor allem durch die Verringerung von Schmerzen und einer Verbesserung der Fruchtbarkeit. Die Einbindung und Mitentscheidung der Patientin ist für ein gutes Behandlungsergebnis unbedingte Voraussetzung.

 

Die Therapie der Endometriose besteht aus drei Säulen: der medikamentösen und der operativen Therapie und der komplementären Therapie. Den meisten Patientinnen wird – zumindest bei Diagnosestellung der Endometriose - eine Kombination der Therapieformen angeboten. Es ist unser Ziel, durch eine gute medikamentöse Therapie die Erkrankung zum Stillstand zu bringen und die Lebensqualität zu verbessern. Eine Operation sollte gut geplant sein, gute ins Lebenskonzept passen und dann möglichst nur einmal erfolgen.

Eine Reduktion der Schmerzen kann sowohl durch die operative Entfernung und als auch eine medikamentösen Therapie mit Hormonen und / oder Schmerzmedikamenten bzw auch multimodale erreicht werden. Die Fruchtbarkeit kann dagegen nur durch eine operative Entfernung verbessert werden, Medikamente helfen hier nicht.

 

Im Folgenden finden Sie einen Überblick über die häufigsten Therapieverfahren

Operation

In unserem Zentrum werden fast alle Operationen per Laparoskopie (Bauchspiegelung) durchgeführt. Vorteile dieses Verfahrens sind weniger Narben und Verwachsungen, ein kürzerer Krankenhausaufenthalt und eine schnellere Genesung. Die Operationsdauer kann sich durch dieses Verfahren allerdings manchmal verlängern. Bei jeder Endometriose-Operation werden grundsätzlich die gleichen Ziele verfolgt:

  • Entfernung aller sichtbaren Endometrioseherde
  • Rekonstruktion der anatomischen Verhältnisse
  • Erhaltung der betroffenen Organe
  • Histologische Sicherung der Diagnose

In unserem Zentrum wurde in den letzten Jahren ein besonders schonendes Operationsverfahren zur Entfernung von Darm-Endometriose entwickelt, bei der die Entfernung des betroffenen Darms notwendig ist.

Hormonelle Therapie

Die hormonelle Therapie kann Schmerzen reduzieren, die vorhandenen Endometrioseherde verkleinern und das Wachstum oder die Neuansiedlung von Endometriosegewebe verhindern oder bremsen. Die wichtigsten hormonellen Medikamente in der Therapie der Endometriose sind:

  • Gelbkörperhormone (Gestagene)
  • die „Pille“ (Kombinationspräparate aus Gestagenen und Östrogenen zur Verhütung)
  • Wechseljahrshormone (GnRH-Analoga)

Alle hormonellen Therapien reduzieren die Schmerzen vergleichbar gut. Welche hormonelle Therapie sinnvoll ist hängt von den Beschwerden der Patientin und den Nebenwirkungen der Medikamente ab und muss immer zusammen mit der Patientin entschieden werden.

Schmerztherapie

Die meisten Endometriose-Patientinnen haben schon viele Jahre vor der Diagnosestellung Schmerzmedikamente eingenommen. Dennoch kann hier eine Beratung und erneute Einstellung hilfreich. Bei sehr ausgeprägten Schmerzen wird der Patientin eine Betreuung im Schmerzzentrum Charité angeboten, wo Schmerztherapeuten mit der Patientin einen individuellen Therapieplan entwickeln.

Psychosomatische Therapie

Nicht selten führen chronische Schmerzen zu weitere Probleme wie Verspannungen, Erschöpfung und depressive Verstimmungen. Chronische Schmerzen können sich verselbstständigen. Hier kann die psychosomatische Medizin eine unersetzliche Hilfe in der weiteren Therapie sein.

Kinderwunschbehandlung

Endometriose kann zu einer Beeinträchtigung der Fruchtbarkeit führen: Eine fundierte Beratung über die Behandlungsmöglichkeiten beim Kinderwunsch bieten wir in unserem Endometriosezentrum an. Die Charité verfügt aber über kein eigenes Kinderwunschzentrum, so dass die Kinderwunschbehandlung an anderen Zentren durchgeführt werden muss.

Komplementäre Behandlungsverfahren

Einige Patientinnen haben gute Erfahrungen mit der TCM (Traditionelle Chinesische Medizin), Akupunktur oder Homöopathie gemacht. Diese Therapien können den medizinischen Behandlungsansatz unterstützen und begleiten.

In komplexen Fällen erarbeiten wir auch mit dem Zentrum für Naturheilkunde zusammen und setzten Osteopathie gezielt zur Schmerzreduktion und Verbesserung der Funktion ein.

Institut für Sexualwissenschaft und Sexualmedizin

Die Auswirkungen, die Endometriose auf die Partnerschaft hat, werden oft übersehen. Chronische Erkrankung fordern nicht nur Kraft von den Patientinnen, sondern auch Verständnis vom Partner. Endometriose kann außerdem die Sexualität z.B. durch Schmerzen beim Geschlechtsverkehr direkt beeinträchtigen.

Das Zentrum bietet hier Gespräche mit einer Sexualmedizinerin an.

Rehabilitation

Die Anschlussheilbehandlung nach Operationen oder Vermittlung von Rehabilitationsbehandlungen unserer Patientinnen liegt uns sehr am Herzen. Wir arbeiten mit verschiedenen, auf Endometriose spezialisierten Kliniken zusammen und sind bei der Erstellung der Anträge behilflich

 

 

Globale Perspektive

WHO Factsheet

Das große klinische Problem der Endometriose wird auch weltweit mehr und mehr wahrgenommen, so hat die WHO erstmals eine fact sheet zur Endometriose veröffentlich was die Erkrankung als weltweites Problem hervorhebt. 

Zum WHO Factsheet: https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/endometriosis

10 Fakten zu Endometriose

  1. Endometriose/Adenomyose ist, obwohl sie eine der häufigsten gynäkologischen Erkrankungen der Frau während der fertilen Lebensphase ist, relativ unbekannt. Schätzungen gehen davon aus, dass 10-15% aller Frauen während der fertilen Lebensphase betroffen sind. Das bedeute ca. 2 Mio. erkrankte Frauen in Deutschland, ca. 40.000 Neuerkrankungen pro Jahr.
  2. Es ist eine chronisch entzündliche, rezidivierende, östrogenabhängige Erkrankung, bei der es zur Ansiedlung von gebärmutterschleimhaut-ähnlichem Gewebe außerhalb der Gebärmutterhöhle kommt.
  3. Die Pathognese der Erkrankung ist in weiten Bereich ungeklärt, sehr wahrscheinlich ist aber die Gebärmutter primärer Ursprung der Erkrankung, wobei es in Folge einer Hyperkontraktilität der Gebärmutterwand zur Mikrotraumatisierung der Schicht zwischen Gebärmutterschleimhaut und Muskulatur und dort zur Aktivierung von uterine Stammzellen kommt, die dann transloziert (in der Gebärmutterwand oder im Bauchraum) die Grundlage der ektopen Läsionen sind.
  4. Endometriose/Adenomyse kann zu massiven Problemen wie stärksten Regelschmerzen, zyklischen und azyklischen Unterbauchschmerzen, Schmerzen beim Verkehr, Wasser lassen und Stuhlgang, sowie zur Unfruchtbarkeit führen.
  5. Die Erkrankung wird oft erst mit einer Latenz von 10 Jahren diagnostiziert.
  6. Endometriose/Adenomyose kann die Lebensqualität stark einschränken und braucht mehr gesellschaftspolitische Beachtung.
  7. Mit Hilfe der Anamnese und klinische Untersuchung ist eine Einschätzung ob Endometriose/Adenomyose vorliegen kann möglich, eine Therapie sollte frühzeitig eingeleitet werden.
  8. Multimodale Therapiekonzepte sollten die vielfältigen Probleme die die Erkrankung verursachen kann, berücksichtigen. Die Therapie sollte je nach Beschwerdesymptomatik eine hormonelle Therapie, Schmerztherapie, Bewegungstherapie, Ernährungstherapie und psychologische Begleitung beinhalten. Im Falle eines unerfüllten Kinderwunsches ist eine Vorstellung in einem Kinderwunschzentrum sinnvoll.
  9. Bei Therapieversagen der konservativen Strategien kann eine Operation zielführend sein.
  10. Es ist mehr translationale Forschung erforderlich um bessere zielgerichtetere Therapien zu entwickeln.

 

Ansprechpartner

Prof. Dr. med. Sylvia Mechsner

Leiterin des Endometriosezentrum