Ärztinnen und Ärzte in einer Sitzung

Europäisches Kompetenzzentrum für Eierstockkrebs (EKZE)

Etwa 8.000 Frauen erkranken jedes Jahr an Eierstockkrebs. Frauen mit einer bösartigen Erkrankung des Eierstocks bedürfen einer komplexen Behandlungsstrategie, die eine hohe Kompetenz und Spezialisierung der Behandler erfordert, da die Behandlungsqualität direkten Einfluss auf die Tumorkontrollrate und die Überlebenszeit der Patientinnen hat.

 

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Video: Eierstockkrebs-Behandlung an der Charité

Was ist das EKZE?

Informationen zum zertifizierten Europäischen Kompetenzzentrum für Eierstockkrebs (EKZE)

In dem zertifizierten Europäischen Kompetenzzetrum für Eierstockkrebs (EKZE) können wir Ihnen ein umfangreiches Behandlungsspekturm anbieten auf dem aktuellsten wissenschaftlichen Stand.

Das EKZE arbeitet interdisziplinär mit der Chirurgie, der Onkologie, Gastroenterologie, Anästhesie, Pathologie und verschiedenen anderen Kliniken der Charité zusammen.

Die Expertise des Zentrums basiert auf modernen und aufwendigen Behandlungsstrategien, der Konzeption und Durchführung nationaler und internationaler Phase I, II, III und IV-Studien und verschiedener Umfragen. Dies geschieht in enger Zusammenarbeit mit nationalen und internationalen Studien- sowie Expertengruppen zu Thema Eierstockkrebs. Dies sind vor allem die NOGGO und die AGO. Mehr dazu finden Sie auf den unten verlinkten Seiten "Aktuelle Studien".

Das EKZE hat eine Vielzahl von Publikationen für Ärzte und Wissenschaftler und Broschüren für Patientinnen und Angehörige zusammengestellt. Gerne senden wir Ihnen auf Nachfrage kostenlos ein Exemplar zu.

Verschieden Aktivitäten und Informatione erhalten Sie auch auf der Seite der Deutschen Stiftung Eierstockkrebs. Dort können Sie sich auch über Informationsveranstaltungen und Fortbildungen sowohl für Patientinnen als auch Ärztinnen und Ärzte informieren.

Das EKZE finden Sie auf dem Campus-Virchow Klinikum der Charité Universitätsmedizin Berlin.

Weiter unten finden Sie Ansprechpartner sowie die Möglichkeit der Vereinbarung eines Termins in einer der Sprechstunden. Ebenso besteht die Option für Sie, sich eine Zweitmeinung zur Diagnostik und Therapie Ihrer Erkrankung einzuholen. Dazu können Sie entweder unserer digitalen Zweitmeinungsservice nutzen oder auch direkt einen Termin vereinbaren.

Ärtze können ihre Fälle auch über die Online-Tumorkonferenz vorstellen.

Das Europäische Kompetenzzentrum für Eierstockkrebs (EKZE) wurde auf Basis seiner langjährigen Aktivitäten und Leistungen dieses renommierten Zentrums gegründet und bereits mehrfach zertifiziert (TÜV Süd 2007, 2008, 2009, 2010, 2011).

Beschreibung der Diagnose

Eierstockkrebs (medizinisch: Ovarialkarzinom) ist ein bösartiger Tumor der Eierstöcke. Der Krebs wird oft erst in einem fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung entdeckt, wenn sich der Tumor bereits in der Bauchhöhle ausgebreitet hat. Das Risiko steigt mit dem Alter – meist sind Frauen nach den Wechseljahren betroffen. 

Ursachen und Risikofaktoren

Wie fast jede Krebsart entsteht Eierstockkrebs aus Zellen, die unkontrolliert wachsen. Im späteren Stadium bildet der Tumor dann Metastasen, die sich im umgebenden Gewebe ausbreiten, etwa in der Bauchhöhle. Warum die Zellen entarten, ist nicht im Detail bekannt. Genetische Faktoren scheinen aber eine Rolle zu spielen, denn Eierstockkrebs tritt familiär gehäuft auf und bestimmte Genveränderungen (Mutationen) kommen bei Krebspatientinnen gehäuft vor.

Im Weiteren spielt die Zahl der weiblichen Zyklen eine Rolle bei der Krankheitsentstehung. Frauen mit einer späten ersten Regelblutung und einem frühen Einsetzen der Wechseljahre erkranken demnach seltener an einem Eierstocktumor. Das gilt auch für Frauen, die ein oder mehrmals schwanger waren oder über einen längeren Zeitraum hormonell verhütet haben.

Genetische und Umweltfaktoren

Veränderungen der Gene BRCA1 und BRCA2 steigern das Risiko, an Eierstockkrebs zu erkranken, deutlich. Allerdings wurden sie nur bei einem kleinen Teil der betroffenen Frauen gefunden. Weitere genetische Faktoren sind derzeit noch Gegenstand der Forschung. Auch Brustkrebspatientinnen besitzen häufig veränderte Gene der BRCA-Gruppe (BReast CAncer). Frauen, deren Verwandte ersten Grades Brust- oder Eierstockkrebs hatten, tragen ein erhöhtes Risiko zu erkranken. Auch schädliche Umwelteinflüsse und ungesunde Ernährung können eine Rolle spielen. Es gibt Hinweise, dass Übergewicht (Adipositas) das Erkrankungsrisiko erhöht.

Behandlung

Die Therapie beim Eierstockkrebs umfasst im Wesentlichen zwei Verfahren: Operation und Chemotherapie. Meist behandelt der Arzt die Patientin mit einer Kombination aus beidem. Welches Therapieverfahren zum Einsatz kommt, hängt vom Stadium des Tumors ab.

Die Operation

Die Standardbehandlung des Ovarialkarzinoms ist als erstes nahezu immer eine Operation. Diese sollte innerhalb von 2-3 Wochen nach der Diagnosestellung erfolgen. Ziel der Operation sind die Diagnosesicherung, das Feststellen der Tumorausdehnung und die vollständige Entfernung von (sichtbarem) Tumorgewebe. Sollte dies nicht komplett möglich sein, so wird versucht, so viel Tumorgewebe wie möglich zu entfernen, denn je kleiner der verbleibende Tumorrest ist, desto besser ist die Prognose (das Langzeitüberleben).

Die Operation verfolgt drei Ziele:

  1. Sicherung und Umfang der Diagnose (durch histologische Analyse von Tumorgewebe)
  2. Feststellung der Tumorausbreitung
  3. Maximale Tumorreduktion bzw. -entfernung

Die Durchführung der Operation erfolgt über einen längs-gerichteten Bauchschnitt (Längslaparotomie) vom Schambein bis zum Bauchnabel und je nach Ausmaß der Operation sogar bis zum unteren Rand des Brustbeins. Normalerweise dauert eine Operation beim Eierstockkrebs 3-6 Stunden.  Unter anderem aufgrund der Diagnosesicherung mittels einer Gewebeprobe. Diese untersucht der Pathologe direkt (Schnellschnitt) und teilt das Ergebnis dem Operateur telefonisch mit, der daraufhin über das weitere Ausmaß der Operation entscheidet. Die Operation umfasst in der Regel:
 

  • komplette Austastung des Bauchraumes mit gegebenenfalls Entfernung von Teilen des Bauchfelles
  • Entfernung der Gebärmutter (Hysterektomie), der Eileiter und Eierstöcke (Adnexektomie)
  • Entfernung des großen Netzes, eines am Darm hängenden Lymphorgans (Omentektomie) und der vergößerten Lymphknoten (Lymphonodektomie) im kleinen Becken und entlang der großen Gefäße (Hauptschlagader, große untere Hohlvene)
  • gegebenenfalls Blinddarmentfernung (Appendektomie), wenn es sich um einen schleimproduzierenden Tumor handelt

Chemotherapie

Nahezu ausnahmslos erfolgt im Anschluss an die Operation eine Chemotherapie zur Bekämpfung von im Körper verbliebenen bösartigen Zellen (adjuvante Therapie). Darüber hinaus kann die Chemotherapie vor einer geplanten größeren Operation zur Tumorverkleinerung (neoadjuvant) oder bei nicht heilbaren Tumorleiden zur Symptomlinderung (palliativ) eingesetzt werden.
 

Die erste Chemotherapie sollte innerhalb von 4 bis 6 Wochen vom Tag der Operation an erfolgen.
 

Chemotherapeutische Medikamente (Zytostatika) sind in der Lage, Tumorzellen abzutöten oder zumindest in ihrem Wachstum zu hemmen. Sie werden meist intravenös (in die Vene) verabreicht und verteilen sich im ganzen Körper und wirken auch im ganzen Körper. Die Chemotherapeutika (Zytostatika) greifen besonders schnell wachsende oder sich teilende Zellen an. Eine Eigenschaft, die besonders auf Krebszellen zutrifft. Allerdings sind davon auch gesunde Körperzellen betroffen, wodurch sich die begleitenden Nebenwirkungen der Chemotherapie erklären lassen. Glücklicherweise besitzen unsere gesunden Körperzellen, im Gegensatz zu Krebszellen, Reparaturmechanismen, um die durch Zytostatika entstandenen Schäden zu reparieren.
 

Dennoch werden als Nebenwirkung dieser hocheffektiven Therapie alle Ihre Körperhaare ausfallen. Nach Beendigung der Therapie wachsen sie aber sofort wieder nach. Auch wenn die meisten Patienten Dank unterstützender Medikamente fast ohne weitere Nebenwirkungen durch die Therapie kommen, können Übelkeit und Erbrechen und eine Schwächung der Immunabwehr und der Blutgerinnung auftreten. Es kann auch zu einem Kribbeln der Fingerspitzen und Handinnenflächen kommen durch die Wirkung auf die feinen Nervenzellen dort, in der Regel bilden sich diese Nebenwirkung, wie auch unschöne Verfärbungen der Fingernägel nach der Therapie wieder zurück. Bleiben Sie zu ihren Nebenwirkungen im Dialog mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin und den Pflegekräften. Sie können Ihnen sicher weitere unterstützende Maßnahmen anbieten, bevor es womöglich nötig wird die Therapie zu reduzieren oder abzubrechen.
 

Die Chemotherapie beim Eierstockkrebs besteht aus 2 Medikamenten, nämlich Carboplatin und Paclitaxel. Die Medikamente werden 6x in einem Mindestabstand von jeweils 3 Wochen gegeben. Eine Therapiesitzung dauert ca. 4-6 Stunden und diese nennen die Ärzte eine Chemotherapiegabe, der Zeitraum von 3 Wochen nach der Chemotherapie wird als Zyklus bezeichnet. Insgesamt erfolgt die Chemotherapie also in 6 Zyklen.

Antikörpertherapie / Erhaltungstherapie

Ergänzend zu einer Chemotherapie wird bei Eierstockkrebs der auch den oberen Teil des Bauchraumes betrifft der Antikörper Bevacizumab (Avastin) zur Behandlung zusätzlich zur Chemotherapie eingesetzt. Diese Antikörpertherapie bewirkt eine Hemmung des Krebswachstums in dem er die Neubildung von Blutgefäßen unterdrückt. Dadurch wird der Krebs, der sehr viel Blut braucht zum Wachsen, nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. 
 

Diese Therapie wird in der Regel ab dem 2. Chemotherapiezyklus mit der Chemotherapie verabreicht. Nach der Chemotherapie sollte die Antikörpertherapie alle 3 Wochen weitergeführt werden für insgesamt 15 Monate. Die Haare wachsen in dieser Zeit schon wieder nach und auch die anderen möglichen Nebenwirkungen der Chemotherapie lassen schon nach.
 

Erhaltungstherapie:
 

Langsam halten auch die PARP-Inhibitoren Einzug in die Therapie, auch schon bei ersten Auftreten von Eierstockkrebs und sind nicht nur wie schon seit einigen Jahren bei den Rezidiven im Einsatz. PARP-Inhibitoren hemmen die DNA-Reparaturmechanismen von Tumoren.
 

Bestimmt wissen Sie, dass bei der Zellteilung zwei identische Kopien einer Zelle mit jeweils dem kompletten Satz an Genen (DNA) entstehen. Während dieses Verdoppelungsvorgangs können naturgemäß spontan Fehler in der doppelsträngigen DNA entstehen, z.B. in dem Stücke von der Erbinformation eines Einzelstranges abbrechen. Diese Fehler im Kopiervorgang sind auch mit eine der Gründe, warum Krebs überhaupt entstehen kann. Im Normalfall werden diese Fehler durch Gene (zum Beispiel BRCA1/2), die für die Bildung von Reparaturenzymen (wie die Poly-ADP-Ribose-Polymerase (PARP)) verantwortlich sind, behoben. Sind diese Gene aber so verändert, dass sie die Enzyme nicht bilden können, kann der Reparaturvorgang nicht vonstattengehen. Bei gesunden Zellen wäre das fatal, bei Krebszellen dagegen gar nicht so schlecht, da die DNA-Schäden das Tumorwachstum letztendlich zum Erliegen bringen können.
 

Also haben sich Forscher diese Vorgänge im zellulären Mikrokosmos zum Vorbild genommen und Medikamente entwickelt, die die krebseigenen Reparaturmechanismen gezielt hemmen: Die sogenannten PARP-Inhibitoren. Diese Enzymhemmer binden an den Komplex aus DNA und Reparaturenzym des Tumors, so dass u.a. der gesamte Doppelstrang bricht. Was bei normalen Körperzellen möglich ist, geht bei Krebszellen nicht: nämlich Doppelstrangbrüche zu reparieren. Stattdessen versucht der Krebs, Alternativwege zur DNA-Reparation zu finden, um zu überleben. Das führt zusätzlich zur Destabilisierung der DNA, bis die Zelle quasi in den „Selbstmord“ getrieben wird und das Tumorwachstum gänzlich zum Stillstand kommt.
 

Diese relativ neuen PARP-Inhibitoren arbeiten Hand in Hand mit Chemotherapeutika, die gezielt die DNA-Schäden im Tumor hervorrufen. Wenn die behandelnden Ärzte festgestellt haben, dass der Tumor Veränderungen (Mutationen) an spezifischen tumorunterdrückenden Genen aufweist, kann der Inhibitor in Kombination mit einer Chemotherapie oder als Erhaltungstherapie nach den Chemotherapiezyklen angewendet werden. Das ist besonders dann wichtig, wenn die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass der Tumor trotz Standardtherapie zurückkehrt, z.B. wenn er spät entdeckt wird. Die Therapie scheint zurzeit bei verschiedenen Krebserkrankungen, wie z.B. Brust, Eileiter, Bauchfell- und insbesondere Eierstockkrebs, tatsächlich auch gut wirksam zu sein. Studien zufolge zeigen PARP-Inhibitoren bei solchen Krebserkrankungen den Zeitraum bis zum Wiederauftreten des Tumors durchschnittlich von einem auf ca. vier Jahre zu verlängern.

Nachsorge

Nach einer Krebsbehandlung empfehlen wir Ihnen an einer regelmäßigen medizinischen Nachsorge teilzunehmen. Hier werden nicht nur Untersuchungen durchgeführt um ein Wiederauftreten des Krebses frühzeitig zu entdecken, sondern Sie sollen auch in Ihrer Genesung unterstützt und begleitet werden. Die Nachsorge deckt in etwa den Zeitraum ab, in dem man als Patient noch mit den Folgen der Erkrankung und ihrer Behandlung zu tun hat.

Untersuchungsintervalle:

Da das Risiko eine Rezidivs (Wiederauftreten der Erkrankung) beim Eierstockkrebs binnen der ersten 3 Jahre nach der Operation am höchsten ist, werden in dieser zeit enmaschigere Nachsorgeuntersuchungen durchgeführt:

  • bis 3 Jahre nach OP: Nachsorgeuntersuchungen alle 10-12 Wochen
  • ab 3. Jahr nach OP: Nachsorgeuntersuchungen alle 6 Monate
  • ab 5. Jahr nach OP: Nachsorgeuntersuchungen alle 6-12 Monate


Hierbei handelt es sich um allgemeine Empfehlungen, die als Orientierungsgröße dienen. Ihre Ärzte erstellen mit Ihnen einen individuellen Nachsorgeplan entsprechend Ihrer individuellen Situation.

Auf folgende Diagnosen haben wir uns spezialisiert

Bauchfellkrebs (Peritonealkarzinom)

Borderline Tumore des Eierstocks (BOT)

Eileiterkrebs (Tubenkarzinom)

Eierstockkrebs (Ovarialkarzinom)

Granulosazelltumore

Unreife Teratome

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Datenschutz

Ansprechpartner

Prof. Dr. med. Dr. h.c. Jalid Sehouli

Direktor der Klinik für Gynäkologie mit Zentrum für onkologische Chirurgie Charité Campus Virchow-Klinikum
Leiter des Gynäkologischen Tumorzentrums und Europäischen Kompetenzzentrums für Eierstockkrebs (EKZE)

Priv.-Doz. Dr. med. Dr. med. (syr) Mustafa Zelal Muallem

Leitender Oberarzt und stellvertretender Direktor Campus-Virchow Klinikum

Prof. Dr. med. Elena Ioana Braicu

Professor für Translationale Gynäkologische Onkologie; Koordinatorin des TOC Labors (translationale Forschung)

Dr. med. Jacek Grabowski

Leiter der Ambulanten Spezialärztlichen Versorgung (ASV)