Chemotherapie und Bestrahlung

Strahlentherapie

Bei der Therapie von Gebärmutterhalskrebs wird häufig eine Bestrahlung und eine Chemotherapie kombiniert (Radiochemotherapie), da sich beide Verfahren gut ergänzen und sogar verstärken. Mit einer über die Haut (perkutan) durchgeführten Strahlentherapie sollen Brustkrebszellen so geschädigt werden, dass sie absterben. Mit hoch dosierter ionisierender Strahlung (z.B. Elektronenstrahlen) wird das Erbmaterial der bestrahlten Krebszellen angegriffen und zerstört. Im Gegensatz zur Chemotherapie wirkt die Bestrahlung nur auf das unmittelbare Tumorgebiet und das Lymphsystem der Gebärmutter. Eine heute gut ausgereifte Technik stellt sicher, dass nur im gewünschten Areal die Strahlen ihre maximal zellschädigende Wirkung erreichen und das umliegende Gewebe geschont wird. Eine Bestrahlung besteht in der Regel aus mehreren Sitzungen, die zusammen eine maximale Strahlendosis ergeben.

Brachytherapie

Eine weitere Bestrahlungstechnik, die die perkutane Bestrahlung oft ergänzt, wird als Brachytherapie (auch Afterloading oder Kontaktbestrahlung) bezeichnet. Dabei wird unter Narkose eine kleine, radioaktive Sonde über die Scheide eingeführt und in der unmittelbaren Nähe des Tumors positioniert. Dort entfaltet die Radioaktivität für kurze Zeit ihre tumorschädigende Wirkung. Der Vorteil: Die Strahlung der Sonde wirkt gezielt nur auf den Tumor, das umliegende Gewebe wird geschont. Auch die Brachytherapie wird in bestimmten Abständen mehrmals wiederholt.

Chemotherapie

Mit einer Chemotherapie sollen alle im Körper befindlichen Krebszellen zerstört werden. Sie ist eine systemische - also den ganzen Körper betreffenden - Therapie. Die Medikamente hindern die Krebszellen an der Teilung, daher rührt auch ihr Name Zytostatika ("Zellteilungshemmer"). Es existiert eine Vielzahl von Chemotherapeutika, die sich u.a. in ihrem Angriffspunkt in den Zellen und ihrem Wirkmechanismus unterscheiden. Bei der Radiochemotherapie eines Zervixkarzinoms wird häufig nur die Substanz Cisplatin eingesetzt (Monotherapie). Der Stoff macht die Krebszellen noch empfindlicher für die  Bestrahlung - er wirkt als so genannter "Radiosensitizer".

Einsatz der Radiochemotherapie

Eine Radiochemotherapie kommt häufig bei fortgeschrittenen Tumoren statt einer Operation zum Einsatz. Eine solche Situation ist gegeben, wenn der Krebs sich deutlich über den Gebärmutterhals in den oberen Scheidenanteil oder den Halteapparat der Gebärmutterkörper ausgebreitet hat, oder wenn Lymphknoten befallen sind. Wir evaluieren im Moment das Konzept der Entfernung von tumorbefallenen Lymphknoten mittels Bauchspiegelung vor Durchführung der Strahlentherapie und Chemotherapie. Wir erwarten von dieser Studie einen wichtigen Beitrag für die künftige Behandlung von Frauen mit fortgeschrittenen Tumoren.

Eine adjuvante Radiochemotherapie kann ferner eine Operation ergänzen, wenn der Tumor nicht vollständig entfernt werden konnte und/oder wenn ein begründetes Rückfallrisiko besteht. Auch bei Rückfällen (Rezidiven) wird das Verfahren häufig eingesetzt.

Die Radiochemotherapie wird in der Regel innerhalb von zwei Monaten durchgeführt. Vielen Patientinnen empfehlen wir, die Therapie teilweise im Krankenhaus zu absolvieren. Diese Entscheidung hängt aber stark von individuellen Faktoren ab, vor allem dem Gesundheitszustand der Patientin.

Eine alleinige Chemotherapie wird bei Frauen mit Zervixkarzinom nur in wenigen Fällen eingesetzt - etwa, wenn die Krankheit schon sehr weit fortgeschritten ist oder eine Bestrahlung aus bestimmten Gründen nicht in Frage kommt. Analoges gilt für die alleinige Bestrahlung als Primärtherapie: auch sie wird nur in wenigen Fällen eingesetzt.

Nebenwirkungen

Die Radiochemotherapie ist eine kombinierte Therapie - deshalb kann sie auch die Nebenwirkungen beider Verfahren verursachen. Wie stark diese unerwünschten Folgen ausfallen, ist sehr individuell. Die Chemotherapie kann Erschöpfung (Fatigue), Blutarmut, Übelkeit, Durchfall, Schleimhautentzündungen im Mund und im Darm, Haarausfall, Immunschwäche und Gefühlsstörungen an Händen und Füßen (Neuropathie) verursachen.

Eine perkutane Bestrahlung kann für die Haut im Strahlenfeld belastend sein und schmerzhafte Rötung bis hin zur Blasenbildung verursachen. Relativ häufig ist die so genannte Strahlenfibrose - eine Narbenbildung von inneren Schleimhäuten in Scheide, Darm und Blase. Dies kann zu Problemen beim Harnlassen sowie zu Trockenheit der Scheidenschleimhaut und Verengungen der Scheide führen. Wenn benachbarte Organe oder das Lymphsystem mitbestrahlt wurden, können sich auch an diesen Nebenwirkungen der Bestrahlung zeigen (etwa Lymphödeme oder Reizungen und Infektionen von Darm, Blase und Scheide).

Bei jüngeren Frauen kann die Eierstockfunktion beeinträchtigt oder vollständig unterbrochen werden, wenn sich die Ovarien direkt im Strahlenfeld befinden. So kann der Beginn der Wechseljahre ausgelöst werden. Dies lässt sich mit Hormonen aber ausgleichen. Das Wachstum eines Zervixkarzinoms wird nicht, wie etwa Brustkrebs, von weiblichen Geschlechtshormonen stimuliert.

Auch gegen die anderen beschriebenen Nebenwirkungen der Radiochemotherapie sind wir heute nicht mehr machtlos - sie lassen sich in sehr vielen Fällen beseitigen oder zumindest lindern. Unsere Klinik widmet dieser Aufgabe seit Jahren besondere Aufmerksamkeit. Dafür stehen uns moderne Verfahren wie Intensitäts-modulierte Radiotherapie (IMRT), Tomotherapie und Gamma-knife zur Verfügung, mit denen die individuelle Tumorausdehnung gezielt und schonend behandelt werden kann.

 

Weitere Informationen:

Öffnet externen Link im aktuellen FensterInterdisziplinäre S2k-Leitlinie für die Diagnostik und Therapie des Zervixkarzinoms (2008)

Foto: T.S-Fotodesign - Fotolia.com

Kontakt zur Frauenklinik

Anmeldung
t: +49 30 450 664 474

Hotline (nur für Ärzte)
t: +49 30 450 664 443

E-Mail: Frauenklinik

Sekretariat

Maren Thurow
Sekretariat
t: +49 30 450 564 172