26.08.2011 - Aktuelles aus den Centren

Risiko für erblichen Brustkrebs erkennen

Portrait einer Großmutter mit ihrer Enkeltochter

Wenn sich Brustkrebs in der Familie häuft, gehen für viele Frauen die Warnlampen an. "Etliche haben schon mal von erblichem Brustkrebs gehört, und fragen sich dann: Bin ich auch gefährdet? Hat meine ganze Familie ein Brustkrebsgen?", sagt Ulrich Bick, Leiter des Zentrums für Familiären Brust- und Eierstockkrebs an der Charité. "Diese Frauen beraten wir und ermitteln ihr individuelles Krankheitsrisiko."

Frauen, bei denen eine erbliche Prädisposition auf Grund der familiären Konstellation sehr wahrscheinlich ist, wird die Durchführung einer genetischen Testung und/oder ein intensiviertes Früherkennungsprogramm sowie weitere prophylaktische Maßnahmen angeboten. Das Zentrum an der Charité (Campus Mitte) ist eines von nur dreizehn in Deutschland und das einzige in Berlin. Fachwissen und Forschungsaktivitäten zu dieser speziellen Form von Brustkrebs werden hier gebündelt. Gynäkologen, Humangenetiker, Molekularbiologen, Psychoonkologen und Radiologen wie Bick arbeiten Hand in Hand.

Mutationen an fünf Risikogenen

Vielen der oft tief verunsicherten Ratsuchenden können Bick und sein Team Entwarnung geben. Denn eine erbliche Disposition für Brustkrebs ist vergleichweise selten: Bei rund 0,2 Prozent aller Frauen ist eines der bekannten Risikogene verändert. Fünf solcher Gene sind heute identifiziert - allen voran die Gene BRCA1 auf Chromosom 17 und BRCA2 auf Chromosom 13, deren Mutationen für die meisten erblichen Brustkrebserkrankungen verantwortlich gemacht werden. Weit seltener sind Mutationen an drei weiteren Hochrisikogenen - CHEK2, ATM und dem kürzlich erst identifizierten RAD51C. In rund 45 Prozent aller Fälle von erblichem Brustkrebs sind die auslösenden Gene noch gar nicht bekannt.

Risiko für Brustkrebs deutlich erhöht

Trägerinnen eines mutierten Risikogens haben ein Risiko von bis zu 85 Prozent, im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs zu erkranken. Das Lebenszeitrisiko einer gesunden Frau in Deutschland ohne erbliche Vorbelastung liegt dagegen bei nur rund zehn Prozent. Dies erklärt auch, warum der Anteil der erblich bedingten Brustkrebsfälle an allen Erkrankungen mit fünf Prozent überproportional hoch ausfällt. Auch das mittlere Erkrankungsalter von genetisch belasteten Frauen liegt mit 50 Jahren deutlich unter dem der Vergleichsgruppe mit 65 Jahren. Trägerinnen von BRCA1- und BRCA2-Mutationen haben außerdem ein deutlich gesteigertes Risiko, an einem kontralateralen Mammakarzinom zu erkranken. Auch die Risiken für assoziierte Krebsformen sind erhöht. Dazu zählt vor allem der Eierstockkrebs: BRCA1-Mutationsträgerinnen haben ein Risiko von 40 bis 55 Prozent, BRCA2-Mutationsträgerinnen ein Risiko von 10 bis 20 Prozent, diesen Krebs zu entwickeln. Hinzu kommen höhere Erkrankungswahrscheinlichkeiten für Darm- und Magenkrebs, Leukämien, Nierenkrebs, Pankreaskrebs, Prostata und Endometriumkarzinom.

Wird eine BRCA1- oder BRCA2-Mutation nachgewiesen, hat dies nicht nur Konsequenzen für die betroffene Frau selbst, sondern für ihre gesamte Familie. Erstgradig Verwandte - etwa Kinder oder Geschwister - haben ein hohes Risiko, die Mutation ebenfalls zu tragen und damit dem gleichen Risiko ausgesetzt zu sein. "Ob eine Frau ein Risikogen trägt oder nicht - diese Frage hat weitreichende und mitunter einschneidende Folgen", sagt Bick. "Wir legen deshalb großen Wert auf eine angenehme Gesprächsatmosphäre und intensive psychologische Betreuung."

Stufenweise Beratung im Zentrum

Die Beratung des Zentrums umfasst mehrere, aufeinander aufbauende Stufen. Zunächst beantworten ratsuchende Frauen am Telefon einen Fragenbogen, um einen ersten Verdacht einer hereditären Belastung zu ermitteln. Ist dies der Fall, wird in einer Erstberatung eine Stammbaumanalyse erstellt, die mithilfe eines Statistik-Programms ausgewertet wird. Nur wenn die individuelle Wahrscheinlichkeit, an Brustkrebs zu erkranken, einen Schwellenwert übersteigt, schließt sich eine genetische Beratung und - in einigen Fällen - eine molekulargenetische Untersuchung an. Dabei wird nach Möglichkeit immer zunächst ein an Krebs erkranktes Familienmitglied ("Indexpatientin") genetisch getestet. Nur wenn bei dieser Testung eine der bekannten Mutationen gefunden wird, kann die gesunde Ratsuchende ebenfalls auf diese Mutation getestet werden. In vielen Fällen kann die Ratsuchende mit ihrem Testergebnis entlastet werden - dann nämlich, wenn bei ihr die beim getesteten Familienmitglied gefundene Mutation nicht gefunden wird. Ob sich eine gesunde Frau genetisch testen lässt oder nicht, ist oft eine schwierige Entscheidung. Im Raum steht für viele die Frage: ´Will ich das wissen, mit allen Konsequenzen, die daraus folgen?´ Entscheidend ist deshalb eine eingehende Aufklärung und Beratung.

Wird tatsächlich eine der bekannten, genetischen Belastungen für eine Ratsuchende nachgewiesen, stehen schließlich eine Reihe präventiver Maßnahmen zur Verfügung. Prophylaktische Operationen (Mastektomie und Ovarektomie) können in einigen Fällen die richtige Antwort auf ein hohes Risiko sein. Für die Indikation bei diesem - zumal für gesunde Frauen - ungemein belastenden Eingriff haben die dreizehn Fach-Zentren präzise Richtlinien erarbeitet. Ausschlaggebend bleiben aber die persönliche Situation der Ratsuchenden und die Bewertung ihres Risikos. Als weitere präventive Maßnahmen kommt ein intensiviertes Früherkennungsprogramm unter Einschluss von Sonographie, Mammographie und Magnet-Resonanz-Tomographie (MRT) der Mamma zum Einsatz.

Die genetische Ursache eines Mamma-Karzinoms hat, inzwischen auch therapeutische Konsequenzen, da bei Mutationsträgerinnen gehäuft Tumoren mit einer besonderen Tumorbiologie - sogenannte triple-negative Karzinome - auftreten. "Diese Tumoren scheinen besonders auf platinhaltige Chemotherapien anzusprechen", sagt Ulrich Bick. "PARP-Inhibitoren werden gerade in Studien getestet - ein möglicher therapeutischer Ansatz für die nähere Zukunft."

Foto: © fotolia / Elenathewise



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