30.01.2012 - Aktuelles aus den Centren

Intimpflege neu betrachtet

Hochspritzendes Wasser

In der gynäkologischen Praxis sind rezidivierende Infekte der Scheide, des Scheideneinganges, der Vulva, der Perineums und des perianalen Bereiches häufig. Zu den Ursachen kann ein wenig optimales Reinigungsverhalten gehören, wie der Vergrößerungsblick mit dem Exoskop zeigt. Wir haben deshalb einige Vorschläge zur Intimpflege für Patientinnen zusammengestellt. Diese können Sie gerne für Ihren Arbeitsalltag einsetzen, etwa als Infoblatt.

Die gynäkologische Untersuchung mit dem vergrößernden Exoskop ergibt bei einigen Patientinnen nicht selten eine Stuhlverunreinigung um den Anus, die auf eine relative Inkontinenz bei Zustand nach schweren Geburten oder Traumata, auf Mariskenbildung oder auch auf suboptimale Perianal- und Genitalhygiene zurückzuführen ist. Diese Verunreinigungen sind nicht unbedingt mit dem bloßem Auge erkennbar und die Frauen nicht „unsauber“.

Die Hauptnachricht an Frauen mit chronisch rezidivierenden Beschwerden sollte sein: ändern Sie Ihr Reinigungsverhalten nach dem Stuhlgang. Benutzen Sie – wenn vorhanden – ein Bidet, die Dusche oder eine Schüssel, wo sie sich mit lauwarmem Wasser reinigen und anschließend eventuell – wenn notwendig – mit Vaseline nachbehandeln. Dies sollte nach jedem Stuhlgang erfolgen. Es verhindert die Kontamination im Ano-Genitalbereich und kann nach unserer Erfahrung die bestehenden Beschwerden häufig lindern oder komplett zum Verschwinden bringen.

Wir hoffen, die folgenden Tipps für Patientinnen helfen Ihnen als behandelnde Ärzte in der täglichen Arbeit. Für Verbesserungen und Hinweise stehen wir Ihnen jederzeit zur Verfügung.

Tipps zur Intimpflege für Patientinnen

Das sollten Sie wissen:

• Feuchte parfümierte Tücher, Intimsprays, Slipeinlagen, raues Toilettenpapier und mehrfaches Waschen pro Tag sind nicht sinnvoll, da dies zu juckenden, brennenden und entzündeten Hautveränderungen führen kann.

• Bei der Pflege des Intimbereiches ist zu berücksichtigen, dass Fortpflanzungsorgane und Darmausgang nahe beieinander liegen. Der Darm beherbergt Bakterien und Pilze. Das ist völlig normal. Der Stuhl besteht bis zur Hälfte aus Bakterien. Bei jedem Stuhlgang wird die Region um den Darmausgang mit Darmkeimen und mit Verdauungssäften verunreinigt.

• Im Intimbereich produzieren Talgdrüsen eine fettende Schutzschicht, die die Haut "versiegelt". Diese Schutzschicht verhindert, dass Bakterien und Pilze Scheide oder Harnröhre infizieren.

• Intimpflegemaßnahmen wie intensives Reinigen mit Wasser und Seife (dies gilt auch für pH-neutrale Seife), mechanische Prozeduren, wie wiederholtes Wischen mit Toilettenpapier oder andere Intimpflegemittel zerstören oder entfernen den Fettfilm. Die Haut wird gereizt und Trockenheit, Jucken oder Brennen können resultieren.

Wie sollten Sie bei der Reinigung vorgehen?

• Versuchen Sie nach dem Stuhlgang so zu reinigen, dass Scheide und Harnröhre nicht mit Stuhl in Berührung kommen.

• Wir empfehlen nach dem Stuhlgang die feuchte Reinigung nur mit Wasser mithilfe eines Bidets. Sollte Ihnen kein Bidet zur Verfügung stehen, ist auch Abduschen oder Abwaschen (weiche Einmalwaschlappen) des Analbereichs mit lauwarmem Wasser geeignet. Anschließend genügt das Abtrocknen mit einem Tuch oder Toilettenpapier. Das Auftragen von Vaseline kann ebenfalls hilfreich sein.

Wie kann man chronischen Entzündungen im Genitalbereich vorbeugen?

• VOR dem Stuhlgang den Bereich um den Darmausgang mit Vaseline einfetten. Nach Stuhlgang und Reinigung mit Wasser Vaseline auftragen.

Foto: Andrey Armyagov - Fotolia.com

Kontakt:

Klinik für Gynäkologie der Charité



zurück zur Übersicht

Stellenangebote

...finden Sie in der Charité Stellenbörse.

Kontakt Charité Mitte

E-Mail: Frauenklinik

Sollten Sie als Patientin eine Befundauskunft oder einen Termin wünschen, wenden Sie sich bitte an unsere

Hochschulambulanz für
Gynäkologie und Brustzentrum

t: +49 30 450 664 474.

In dringenden Fällen suchen Sie bitte die Rettungsstelle in der Luisenstraße auf.