30.01.2012 - Aktuelles aus den Centren

Der schwierige Fall: Konisation oder Trachelektomie?

Trachelektomie n

Eine Patientin bat uns per Email um eine Einschätzung ihres Befunds. Der jungen Frau wurde bei einer Konisation ein Karzinom entfernt, das aber nicht im Gesunden excidiert werden konnte. Ihre Frage lautete: Sollte zur weiteren Behandlung nun eine zweite Konisation, eine Hysterektomie oder eine Trachelektomie erfolgen?

Der Fall:

Der histologische Befund der Konisation zeigte ein invasives Plattenepithelkarzinom von 3 mm horizontaler und 2 mm vertikaler Ausdehnung ohne Befall des lymphovaskulären Raumes (L0 and V0) und nach endocervikal eine R1-Resektion im Bereich eines randbildenden CIN III ohne invasiven Anteil in diesem Bereich. Bei der jungen Patientin bestand zudem Kinderwunsch. Als weitere Therapie rieten die behandelnden Ärzte der Patientin nun zu einer Hysterektomie oder zumindest zu einer Trachelektomie. Auch eine radikale Lymphknotenentfernung wurde empfohlen. Wie lautete unsere Empfehlung?

Unsere Empfehlung:

Bei dieser Patientin kann man drei Therapieoptionen diskutieren: Nachkonisation, einfache Trachelektomie oder radikale Trachelektomie. Diese drei Optionen weisen unterschiedliche Risiken auf: In ca. ein bis zwei Prozent der Fälle wird bei einer radikalen Trachelektomie ein tumorbefallener Lymphknoten im Parametrium gefunden. Konisation und einfache Trachelektomie können dieses Risiko nicht ausschließen, da das parametrane Gewebe mit den enthaltenen Lymphknoten und Lymphgefäßen in situ verbleibt.

Unser Rat an die Patientin lautete deshalb zunächst, sich ein persönliches Urteil über dieses Risikos zu bilden ("Bin ich bereit, dieses vergleichsweise geringe Risiko zu tragen, das im Falle seines Eintretens aber potenziell schwerwiegenden Folgen haben kann?"). Auf dieser Basis sollte sie dann gemeinsam mit ihren Ärzten eine Entscheidung treffen.

Sollte sich die Patientin gegen eine radikale Parametrektomie entscheiden, erscheint eine Nachkonisation nur notwendig, wenn durch Kolposkopie und/oder zytologischen Abstrich und/oder endozervikale Curettage und/oder HPV-Nachweis Verdacht auf das Vorliegen von CIN besteht. Eine einfache Trachelektomie ist bei dieser Patientin nicht indiziert.

Zum Ausschluss einer Metastasierung in pelvine Lymphknoten erscheint  eine radikale Lymphonodektomie bei dieser Patientin nicht notwendig. Wir rieten zu einer Sentinel-Lymphonodektomie.

Eine für Ihre Patientinnen verständliche Beschreibung der operativen Behandlungsmöglichkeiten bei Gebärmutterhalskrebs haben wir hier zusammengestellt.

Kontakt:

Klinik für Gynäkologie der Charité



zurück zur Übersicht

Stellenangebote

...finden Sie in der Charité Stellenbörse.

Kontakt Charité Mitte

E-Mail: Frauenklinik

Sollten Sie als Patientin eine Befundauskunft oder einen Termin wünschen, wenden Sie sich bitte an unsere

Hochschulambulanz für
Gynäkologie und Brustzentrum

t: +49 30 450 664 474.

In dringenden Fällen suchen Sie bitte die Rettungsstelle in der Luisenstraße auf.