26.08.2011 - Aktuelles aus den Centren

Der schwierige Fall: HPV bei Männern

HP-Viren

Wie hoch ist die HPV-Infektionsrate bei Männern? Welche Folgen hat eine HPV-Infektion bei Männern? Diese und weitere Fragen zum Themenkomplex "Männer und HPV" erreichten uns per Mail von einer Patientin unserer Klinik. In unserer Antwort fassen wir den Erkenntnisstand zu diesem Thema zusammen.

Anogenital infizierende Humane Papillomviren (HPV) werden vorwiegend durch Sexualkontakte und Geschlechtsverkehr übertragen, auch durch Analverkehr. Es existieren möglicherweise auch andere Übertragungswege, die aber bislang nicht gut erforscht sind (etwa über Handtücher oder andere Gegenstände wie z.B. Sex toys).

50 Prozent aller Frauen um 25 Jahre sind HPV-infiziert

Wie sehen die Infektionsraten bei Frauen und Männern aus? Zunächst die epidemiologische Situation bei den Frauen: HPV-Infektionen sind bei jungen Frauen am häufigsten. Rund die Hälfte aller Frauen um 25 Jahre sind HPV-infiziert. Bei Frauen über 30 Jahren lässt sich dagegen nur bei zwei bis acht Prozent eine HPV-Infektion nachweisen. Als Grund für die höhere Infektionsrate unter Jüngeren nimmt man an, dass die Genitalschleimhaut junger Frauen anfälliger für HPV ist als die Schleimhaut älterer Frauen. Zudem ist die Exposition durch neue Partner möglicherweise höher und es hat sich noch keine Immunität entwickelt. Die meisten HPV-Infektionen verlaufen ohne, dass Symptome auftreten. Zu einer bösartigen gynäkologischen Erkrankung führen sie nur in relativ wenigen Fällen: etwa eine von hundert Frauen in Deutschland, die mit einem hochriskanten HPV-Typ infiziert sind, erkrankt im Durchschnitt nach etwa 15 Jahren an Gebärmutterhalskrebs (trotz des Screenings auf die Vorstufen).

Neue Studie "HPV in Men"

Zur HPV-Infektionsrate bei Männern liegen bislang deutlich weniger Daten vor. 2011 wurde jedoch die HIM-Studie ("HPV in Men") veröffentlicht, die von 2005 bis 2009 in den USA, Mexiko und Brasilien durchgeführt wurde. Hierbei wurden Männer zwischen 18 und 70 Jahren wiederholt auf HPV getestet. Das Ergebnis: etwa jeder zweite untersuchte Mann war mit HPV infiziert. In 30 Prozent der Fälle lag sogar eine Infektion mit krebserregenden HPV-Typen vor.

Die Folgen einer HPV-Infektion bei Männern (etwa HPV-assoziierte Läsionen am Penis) werden oft nicht bemerkt, da sie keine gravierenden Beschwerden verursachen. HPV-Infektionen können zwar auch Ursache eines Teils der schwerwiegenderen Erkrankungen bei Männern sein (dazu zählt das Peniskarzinom oder das Analkarzinom), aber diese Krebsformen sind selten und die Forschungsergebnisse zur Rolle von HPV bei der Krankheitsentstehung auch noch nicht abschließend geklärt. Interessanterweise ist aber das HPV-induzierte Analkarzinom bei homosexuellen Männern mit rezeptivem Analverkehr so häufig wie es das Zervixkarzinom vor Einführung des Screenings war.

Impfung von Jungen in den USA bereits empfohlen

Inzwischen ist zweifelsfrei gezeigt, dass die HPV-Impfung mit Gardasil auch bei Männern hoch immunogen, 100 Prozent sicher und vor allem hocheffektiv ist. In mehreren Studien wurde gezeigt, dass Genitalwarzen und HPV-Infektionen zu 90 bis 100 Prozent verhindert werden. Inzwischen ist die Impfung von Jungen in den USA empfohlen und ist im Beipackzettel als Indikation aufgenommen worden. Das hat auch für Deutschland eine hohe Relevanz, denn durch die leider noch immer schlechten Durchimpfungsraten bei Mädchen und jungen Frauen von nur ca. 40 Prozent wird es notwendig, auch Jungen zu impfen, um eine so genannte Herdenimmunität aufzubauen. Diese schützt dann auch die nicht Geimpften vor Infektionen und damit Erkrankungen.

Männer können HPV an ihre Sexualpartner übertragen. Da HPV unter Umständen sehr lange persistiert, können die Sexualpartner auch unterschiedliche HPV-Typen haben und sich gegenseitig mit den jeweiligen Typen infizieren. Das HP-Virus hat also eine sehr erfolgreiche Verbreitungsstrategie entwickelt. Die oft nahezu vollständige Symptomlosigkeit einer HPV-Infektion beim Mann ist in Kombination mit der vorhandenen Infektiosität epidemiologisch problematisch: Als "stumme Überträger" können Männer das Virus unbemerkt weiter verbreiten - an Frauen, bei denen die Infektionsfolgen häufiger gravierender sind.



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