Grundlagenforschung am CervixCentrum

I. Forschungsschwerpunkte

Im Forschungslabor der Klinik für Gynäkologie am Campus Benjamin Franklin beschäftigen wir uns mit grundlagenwissenschaftlicher Thematik und translationaler Forschung. Ziel unserer Arbeiten ist es, anhand von den für uns verfügbaren klinischen Materialien Forschungsarbeiten durchzuführen und die Ergebnisse für die Behandlung unserer Patientinnen nutzbar zu machen.

Hierzu gehören neben diagnostischen Methoden wie moderne genotypisierende Nachweisverfahren für Humane Papillomviren (HPV) auch die Untersuchung von tumorbiologischen Fragestellungen (z.B. Tumorimmunologie, Tumorstammzellen) und die Entwicklung von therapeutischen Tumorvakzinen sowie die Durchführung oder Teilnahme an akademisch getriebener klinischer Studien. Im folgenden stellen wir unsere wichtigsten Forschungsgebiete vor, jeweils mit Angabe einer wichtigen Literaturstelle. Sollten Sie weitere Fragen haben, kommen Sie bitte gerne auf uns zu.

1. HPV Typisierungsmethodik (Luminex)

Eine unbedingte Voraussetzung für die Entwicklung eines Zervixkarzinoms und seiner Vorstufen ist die Infektion mit Humanen Papillomviren. Verschiedene Virustypen infizieren das Zervixepithel und bedingen ein unterschiedliches Risiko für die Krebsentstehung. Wir führen HPV Typisierungen bei Patientinnen durch, um diese Information für die klinische Bewertung bereitzustellen und um epidemiologische Daten für Studien zu erhalten. Hierzu haben wir die genaueste und effizienteste Typisierungsmethodik etabliert. Zur Zeit führen wir zusammen mit dem Robert-Koch-Institut eine deutschlandweite repräsentative HPV Prävalenzstudie durch.

Cervicovaginal Self-Sampling Is a Reliable Method for Determination of Prevalence of Human Papillomavirus Genotypes in Women Aged 20 to 30 Years (2011)

2. Prognostische Marker bei HPV Infektion und Dysplasie

HPV induzierte Dysplasien werden mittels zytologischen Abstrichen (PAP Abstrich)  diagnostiziert. Dieser gibt keine Informationen über die Progressions/Regressionswahrscheinlichkeit einer Krebsvorstufe. Wir untersuchen zusätzlich Genexpression in den Abstrichen, um Markergene zu identifizieren, die Anhaltspunkte für die Progressionswahrscheinlichkeit geben.

Analysis of 4 Single-Nucleotide Polymorphisms in Relation to Cervical Dysplasia and Cancer Development Using a High-Throughput Ligation-Detection Reaction Procedure (2011)

p16INK4a and p14ARF mRNA expression in Pap smears is age-related (2011)

3. ASSIST: Association Studies assisted by Inference and Semantic Technologies (EU Projekt im FP6-IST-2004-027510)

Zur Identifikation von Krankheitsfaktoren werden Studien durchgeführt, die eine Assoziation von Faktoren und Erkrankung aufzeigen. Hierzu bedarf es grosser Fallzahlen. In den Krankenhäusern liegen diese Daten vor, ohne direkt zugänglich zu sein. Im Projekt ASSIST werden eine software und die Zugangsvoraussetzungen entwickelt, um Daten in Krankenhausdatenbanken herauszufiltern und zugänglich zu machen.

Semantic Integration of Cervical Cancer Data Repositories to Facilitate Multicenter Association Studies: The ASSIST Approach (2009)

4. Tumorstammzellen

Tumore bestehen aus sehr heterogenen Zellverbänden. Einige dieser Zellen haben Stammzelleigenschaften und werden für das unbegrenzte Wachstum und die Metastasierung von Tumoren verantwortlich gemacht. Wir isolieren und charakterisieren diese Zellen aus Zellkulturen und weisen sie in Tumorgewebe nach. Die Immunogenität und Angreifbarkeit durch immunologische Abwehrmechanismen wird untersucht.

Evidence for Epithelial-Mesenchymal Transition in Cancer Stem Cells of Head and Neck Squamous Cell Carcinoma

5. Entwicklung von neuen Immunmonitoring Methoden für klinische Impfstudien

Die Impfstoff-induzierte Immunantwort der T-Lymphozyten ist wichtig für therapeutische Effekte und das immunologische Gedächtnis. Die Messung von T-Zellen ist sehr aufwändig. Wir entwickeln und testen neue Methoden zur Bestimmung und Charakterisierung von T-Zellen. Hierbei wird die Differenzierung und zytolytische Aktivität bestimmt. Da oft sehr wenig Material zur Verfügung steht, ist eine sehr hohe Sensitivität der Methoden und eine direkte Bestimmung wichtig.

A flow cytometry-based assay to assess minute frequencies of CD8+ T cells by their cytolytic function (2010)

6. HPV Impfung- Charakterisierung von T-Zellen

Ein wichtiger Fortschritt bei der Prävention des Zervixkarzinoms ist die HPV Impfung. Wir engagieren uns für der Einführung der HPV Impfung in Deutschland. Zweifelsohne sind Virus-neutralisierende Antikörper das schützende Prinzip der Impfung. Die Antikörper-Induktion und Bildung wird durch Helfer-T-Zellen gesteuert. Wir haben diese T-Zellantworten untersucht und eine breite Kreuzreaktion zwischen verschiedenen HPV Typen beobachtet.

Die Impfprävention HPV-assoziierter Neoplasien – eine Zusammenfassung der deutschen S3-Leitlinie (2010)

Nobelpreis für die Impfung gegen Zervixkrebs - Aktuelle Daten- und Leitlinienlage (2009)

7. Entwicklung und klinische Testung einer therapeutischen DNA Vakzine gegen humane Papillomviren und Zervixkarzinom

Die Impfung mit DNA, die für ein Antigen kodiert, ruft Immunantworten hervor. Wir haben eine DNA Vakzine mit einem inaktivierten HPV16 E7 Gen als Antigen konstruiert, die im Tierexperiment und in vitro effiziente Immunantworten gegen HPV16 E7 Antigen tragende Tumorzellen induziert. Diese Vakzine soll in einer klinischen Studie getestet werden.

An improved rearranged Human Papillomavirus Type 16 E7 DNA vaccine candidate (HPV-16 E7SH) induces an E7 wildtype-specific T cell response (2006)

8. Entwicklung einer Adenovirus-basierten therapeutischen Vakzine gegen HPV und Dysplasien

Die Immunogenität von Vakzinen hängt von Faktoren ab wie der Infektiosität des Vektors, Stärke und Menge des Antigens, Aktivierung der Immunantwort. Um eine Vakzine für HPV16/18 E6/E7 Antigene zu entwickeln haben wir inaktivierte Gene für diese Antigene in einen adenoviralen Vektor kloniert. Dieses rekombinante Adenovirus ist hoch immunogen und wirkt therapeutisch im Tierexperiment. Seine Immunogenität in vitro im Humansystem wird getestet.

Combining T-cell Vaccination and Application of Agonistic Anti-GITR mAb (DTA-1) Induces Complete Eradication of HPV Oncogene Expressing Tumors in Mice (2010)

9. Immunsuppression im Tumor

In Zervixkarzinomen werden starke körperfremde Antigene exprimiert und es werden spezifische T-Zellen dagegen nachgewiesen. Diese T-Zellen sind aber offensichtlich nicht aktiv. Die Tumorzellen haben immunsuppressive Mechanismen entwickelt. Nur wenn diese ausgeschaltet werden, können impfstoffinduzierte T-Zellen effektiv sein.

Regulatory (FOXP3+) T cells as target for immune therapy of cervical intraepithelial neoplasia and cervical cancer (2009)

Kontakt zum Forschungsteam

PD Dr. rer. nat. Andreas Kaufmann
Leiter Labor Tumorimmunologie
t: +49 30 8445 2756

Link-Tipps

Öffnet externen Link im aktuellen FensterHPV Management Forum (HPV-Impfleitline und weitere Infos)

Öffnet externen Link im aktuellen FensterInformationskampagne ZERVITA (Gebärmutterhalskrebs-Früherkennung und Prävention)

Kontakt zur Frauenklinik

Anmeldung
t: +49 30 450 664 474

Hotline (nur für Ärzte)
t: +49 30 450 664 443

E-Mail: Frauenklinik

Sekretariat

Maren Thurow
Sekretariat
t: +49 30 450 564 172